Wir wollen es doch immer wärmer. Also warum nicht am Klima schrauben?

Ich dachte lange Zeit, der Klimawandel sei keine sonderliche Bedrohung. Ein paar Grad wärmer? – Das wär’ doch schön. Dann kann man sich im Sommer das Verreisen sparen, weil es ist dann bei uns genauso schön wie in Italien.
Wir wollen es doch warm haben… zumindest im Winter, oder nicht?!

Und ich glaube, das habe ich lange Zeit einfach so gedacht. Ganz ohne die Brisanz dahinter festzustellen, geschweige denn mal zu recherchieren und die Sache weiterzudenken.

Ein paar Grad wärmer bei uns, das klingt nicht so dramatisch.

Aber das ist es. Denn nicht nur die endgültige Temperatur ist das Problem, sondern der Weg dorthin:

Der aktuelle Klimawandel geht nämlich sehr schnell, schneller als alles was es bisher gab. Und das gibt auch unserer Natur nicht die nötige Zeit sich anzupassen.

Die Folgen bei uns sind verheerend. Und auch wir Menschen leiden darunter: Ernteausfälle, Waldsterben, Hitzetote, Verkehrsprobleme, Wasserknappheit…

Das ist erst der Anfang.

Aber auch das ist halb so wild.

Wenn wir es wärmer haben, was ist eigentlich mit den anderen? Jene, die nicht wir sind?

Wenn sich die weltweiten Temperaturen verändern, dann passiert das doch weltweit, oder?

Also welche Temperaturen gibt es dann in Italien? Dort steigen die Temperaturen nämlich auch an, auch sehr schnell.

Und wie warm halten es die Italiener eigentlich aus? Dort ist es ja in der Regel noch wärmer und trockener als bei uns.

Und wenn wir das Ganze global betrachten?

Dann geht es den Menschen in Südeuropa im Vergleich noch ziemlich gut. In Afrika zum Beispiel ändern sich die Umstände noch dramatischer.

Dann kommt noch hinzu, dass der Klimawandel nicht nur Wandel der Temperatur heißt. Denn infolge der Temperatur verändert sich vieles andere. Wasser verdunstet mehr, Eis schmilzt, Flächen trocknen aus, Tierarten wandern ab oder sterben aus, neue Krankheiten breiten sich aus und noch viel mehr.

Alle Ökosysteme sind betroffen.

Das Wetter wird extremer, da mehr Wasser in der Atmosphäre ist. Ausbalancierte Systeme geraten aus den Fugen: Die Zugvögel kommen zurück, aber das Futter ist schon weg, weil der Frühling früher anfängt, als es die letzten Abertausende von Jahren der Fall war. Bäume wachsen schneller, weil sie CO2-gedüngt sind und damit nimmt die Holzqualität als Baumaterial ab, und und und…

Am meisten erschrickt mich, dass wir Menschen gar nicht wissen, was da alles passiert: es betrifft auch Lebewesen und Strukturen, die wir bisher noch gar nicht erforscht und entdeckt haben, und deren Funktion noch nicht kennen.


Ich glaube, am Ziel zu sein, alles zu wissen, alles vorhersehen zu können, alles zu bedenken, das ist für Einzelne, aber auch für alle Menschen gemeinsam unmöglich.

Mag sein, dass das den ein oder anderen davon abhält aktiv zu werden. Mich jedenfalls rüttelt es auf, nicht mehr alles einfach hinzunehmen und unreflektiert liegen zu lassen!

Und nicht zuletzt lässt es mich ehrfürchtig über die Natur staunen… die Natur, die wir durch unser aller Handlungen manipulieren, obwohl wir wissen, dass wir nicht wissen, was das für Nebenwirkungen hat.

Ein paar Grad mehr? – Nein, danke.