Was ist das Radikalste?

Manche sagen, Aktivisten seien radikal, wenn sie zum Beispiel Kreuzungen blockieren, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Radikal sei auch, wenn sich andere Aktivisten Kohle-Baggern in den Weg stellen und das Roden von Wäldern verhindern. Das mag aus der gesellschaftlichen „Kuschelperspektive“, in der manche noch stecken, stimmen.

Aber ich finde, dass sie das nur tun, um noch Radikaleres zu verhindern.

Die Folgen des Klimawandels werden gigantischen und nicht abschätzbaren Ausmaßes sein. Darum sprechen manche von der Klimakrise oder von der Klimakatastrophe. Klima-GAU habe ich auch schon gehört. Treffender wäre eigentlich Klima-Super-GAU.

Ähnlich wie beim Reaktorunglück von Tschernobyl tun Menschen etwas, das zu einer Kettenreaktion führen wird, welche dann zu massiven Schäden an Mensch und Umwelt führt.

Wenn wir so weitermachen wie bisher, oder sagen wir: Wir leiten ein paar minimale Verbesserungen ein, wie z.B. die Verabschiedung eines „Klimapakets“ (eigentlich ein widersprüchliches Päkchen) von einer Bundesregierung oder wir verzichten selbst auf Plastiktüten im Supermarkt, etc., dann wird der Klimawandel in den nächsten Jahren unweigerlich weiter voranschreiten. Und dann werden Kettenreaktionen, wie die oben, in Gang kommen. Die erwähnte Reihe an Möglichkeiten ist nur eine von vielen. Es ist mir schwer gefallen, die Reihe oben so linear niederzuschreiben. Denn jeder der Punkte hat wiederum mehrere mögliche Abzweigungen, hin zu katastrophalen Szenarien.

Zurück zur Frage nach der Radikalität: Wenn wir nicht drastische Maßnahmen einleiten, um die Ketten (wie oben) zu unterbrechen – was die „radikalen Aktivisten“ auf ihre Art fordern, oder zumindest darauf aufmerksam machen – dann wird es unvermeidbar zu radikalen Folgen kommen.

Meiner Meinung nach sind die Leute, die auf ihrem alten Standpunkt beharren und nichts tun, also wesentlich radikaler, als alle Klima-Aktivisten zusammengenommen.

Das bedeutet, dass wir nicht einmal mehr im Stau stehen, weil die Straße vor uns blockiert wird. Und das bedeutet auch nicht, dass ein Kohle abbauender Energiekonzern weniger Gewinne einfahren wird und Arbeitsplätze in Folge eines „Kohlestopps“ gefährdet wären. (Da stehen übrigens viel weniger Jobs auf der Kippe, als z.B. im Bereich der Windenergie.) Nein, die Folgen werden an allen Stellen spürbar, die wir heute mit Lebensqualität, Wohlstand oder Leben überhaupt verbinden.

Um jetzt doch noch mit etwas Positivem abzuschließen, möchte ich auf ein Schild hinweisen, dass ich vor kurzem auf einer Fridays-for-Future-Demo gesehen habe:

„Entweder du verändest dich oder das Klima wird dich verändern!“

Das ist eine frohe Botschaft. Denn noch können wir selbst bestimmen, wie wir unser Leben nachhaltig gestalten wollen. Denn Möglichkeiten gibt es viele. Nur gibt es nicht mehr viel Zeit. Und je radikaler unsere eigene Entscheidung, hin zu einem konsequent nachhaltigen Leben ist, desto weniger radikal werden die gefährlichen Folgen der Umweltzerstörung über uns hereinbrechen.