Was die Umweltkrise mit dem neuartigen Corona-Virus zu tun hat

Es scheint, dass die derzeitige Corona-Krise die Klimakrise medial abgelöst hat. Das veranlasst mich, mal über Gemeinsamkeiten, Parallelen und Unterschiede nachzudenken. Ich spreche hier der Einfachheit halber von Corona und meine, je nach Kontext, das Virus SARS-CoV-2 bzw. die Krankheit COVID-19.

Die Thesen

Die Corona-Krise hat einen ähnlichen Ursprung wie die Klimakrise. Die wird nämlich deshalb verstärkt, weil wir Dinge und Menschen um den ganzen Globus schicken. Auf diese Weise verbreiten sich auch Krankheiten sehr viel schneller über tausende von Kilometern.


Es gibt Menschen, die sind vom Corona-Virus bedrohter als andere. Vor allem Ältere. Auch der Klimawandel bedroht nicht alle Menschen gleichermaßen. Die Jugend wird auf einer verwüsteten Erde leben und Ältere sterben in den Hitzesommern. Menschen in ärmeren Regionen sind aber sowohl dem Klimawandel als auch Corona besonders ausgeliefert.


Obwohl an den Folgen des Klimawandels wahrscheinlich mehr Menschen sterben werden, ist die Gesellschaft zu drastischeren Einschränkungen wegen Corona bereit, als durch den Klimawandel.


Corona kommt überraschend und irritiert die Welt. Der Klimawandel wird noch irritierender, überrascht aber niemanden mehr.


Durch den Klimawandel werden wir neuartige Krankheiten bei uns haben, die vielleicht noch schlimmer sein werden, als der neuartige Corona-Virus.


Die Corona-Krise lässt Politiker und Krisenstäbe Entscheidungen treffen, auch wenn diese zum Nachteil für die Wirtschaft werden. Zur Klimakrise gibt es weder ernstzunehmende Krisenstäbe noch mutige und beherzte Maßnahmen.


Die Lage ist bei Corona ernst, genau wie beim Klimawandel.


Durch die Corona-Krisen können wir lernen, dass sich die Erde trotz weniger Action weiterdreht. Das ist eine Erkenntnis, die manche noch zur Lösung der Klimakrise dringend brauchen.


Die Menschheit treibt schon seit längerem einen globalen Handel, verschickt Waren um die Welt und unternimmt viele Flug- und Fernreisen und jetzt taucht plötzlich ein Virus auf, das den Atem raubt. Genauso verpesten wir Menschen unsere Erde kontinuierlich und der Klimawandel schockiert uns immer wieder mit schweren Wetterereignissen und heftigen lokalen Krisen.


Ziel der Wissenschaftler und Politiker ist es, die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen, um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern. Der Kampf, die Ausbreitung zu stoppen, gilt schon als verloren. Beim Klimawandel haben wir bereits eine globale Erwärmung von über 1 Grad Celsius erreicht und haben nur die Chance die Heftigkeit der Krise einzudämmen.


Gegen die Ausbreitung von Corona kann jeder Einzelne etwas tun und Solidarität hilft auch hier. Die Intensität des Klimawandels lässt sich ebenfalls von jeder und jedem Einzelnen reduzieren.


Sowohl Corona als auch der Klimawandel wird von manchen heruntergespielt.


Unsere Wirtschaft ist nicht resilient genug, um ohne Folgen aus der Corona-Krise herauszukommen. Deshalb plant die Politik bei uns, mit Steuergeldern zu helfen. Dadurch nimmt sie der Wirtschaft und den Unternehmen den Anreiz und die Chance, an ihrer Krisenfestigkeit zu arbeiten. Genau die brauchen aber die Unternehmen, um auch für die Folgen des Klimawandels gewappnet zu sein oder mögliche Vorbeugemaßnahmen zu ertragen.


Corona ist ein temporärer Klimaschützer. Menschen entscheiden sich, nicht in der Ferne zu reisen, und bleiben zu Hause. Unternehmen schließen ihren Betrieb vorübergebend und vermeiden auf diese Weise die Emission der klimaschädlichen Treibhausgase.


Corona ist nur ein Vorgeschmack auf das, was uns blüht, wenn wir nicht endlich einlenken. Denn kollabierende Ökosysteme haben noch viel mehr Einfluss auf uns, unsere Lieferketten, Nahrung, etc. Es ist wirklich Eile geboten und mindestens so viel Aktionismus – wie gerade durch die Corona-Krise entstanden ist – um der Lage Herr zu werden.


Wenn Flugzeuge am Boden bleiben; Industriebetriebe schließen; Kitas und Schulen zusperren und Eltern nicht mehr arbeiten gehen können; Restaurants insolvent gehen, weil kaum wer mehr hingeht; Aktienkurse fallen und sich Vermögen in Luft auflösen; Arbeitgeber nicht mehr allen ihre Löhne zahlen können; Grenzen geschlossen werden; Ausgangssperren verhängt werden; Supermärkte geplündert werden; Ärzten die Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel ausgehen – dann beobachten wir, wie fein abgestimmte solziale (Öko-)Systeme kollabieren.

Wenn wir nach draußen schauen, sehen wir, wie sich Jahreszeiten verschieben, Arten aussterben, Insekten weniger werden, Vögel für immer verschwinden, Böden vertrocknen, Strände versinken, Wälder abbrennen, Meeresspiegel steigen, Gegenden überflutet werden, Krankheiten sich ausbreiten, Müll angeschwemmt wird, Regionen unbewohnbar werden, Flüchtlinge aufbrechen, Gletscher abtauen, und vieles kaputt geht, dessen Funktionen wir nicht kennen und von dem wir noch nicht einmal wissen.

Ersteres sind menschengemachte Sozialsysteme, die sich menschengemacht, z.B. mittels politischer Entscheidungen reparieren lassen. In wenigen Jahren bis Jahrzehnten wird sich kaum noch jemand an Corona erinnern können. Die natürlichen Ökosysteme werden sich – wenn überhaupt – in hunderten bis tausenden Jahren wieder einpendeln. Aber dummerweise hängen wir, als Menschen, sowohl von beiden Systemtypen sehr stark ab. Die sozialen Systeme gestalten unseren Alltag, die natürlichen stellen unsere Lebenfunktionen und Schönheit sicher.


Das Corona-Virus ist ganz klein und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, aber es ist in der Lage, erhebliche Probleme zu verursachen. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat sich auch nur ungefähr verdoppelt. Mit knapp über 400/1.000.000 Teilchen in der Luft kommt es ziemlich selten vor. Weiter geht es mit den „wohldosierten“ Pestiziden, die jährlich in auf die Landschaft aufgetragen werden; die verhältnismäßig wenigen Flächen, die für Häuser, Straßen oder Tierfutter versiegelt oder umgewidmet werden; das Leerpumpen großer Seen oder das absenken des Grundwassers, für Tomaten im Winter oder „Superfood“ aus Übersee, die fußballfeldgroßen Regenwaldflächen, die täglich irgendwo gerodet werden… All dies ist nicht (immer) mit dem bloßen Auge sichtbar. Aber diese kleinen Manipulationen werden sich ähnlich kritisch auswirken, wie ein kleines Virus es auch tut. Und wir sehen und lernen gerade, dass man kleine bzw. unsichtbare Dinge nicht übersehen sollte. Als Menschheit sollten wir anerkennen, dass Ökosysteme auch auf kleine und unsichtbare und scheinbar marginale Veränderungen fragil reagieren können.


Die schwerwiegenden Maßnahmen, die jetzt gegen das Corona-Virus angegangen werden, schwächen vor allem die Wirtschaft massiv. Dies könnte ein herber Rückschlag für den Umweltschutz sein, da auch der nicht umsonst zu haben ist. Eine schwache Wirtschaft wird womöglich mehr Probleme haben, Umweltschutzmaßnahmen umzusetzen bzw. Klimaschutz auf politischer Ebene wegzudiskutieren. Auch Privatleute könnten jetzt, in der Krisenzeit, ihre Spendenbemühungen herunterfahren oder billig einkaufen (also mit externalisierten Kosten), um Rücklagen zu bilden oder mit weniger Einkommen auszukommen. Das kann viele Umweltschutzbemühungen um Jahre zurückwerfen… Da uns die Zeit davonläuft, um beispielweise die Erderhitzung unter 1,5 Grad zu halten, könnte dies zusätzlich kritisch für die Umwelt und somit für uns alle werden.


Jede oder jeder Einzelne verzichtet auf etwas, auch wenn sie oder er sich nicht direkt betroffen fühlt. Diesmal sind es aber die jungen, gesunden Menschen, die mit den älteren Menschen solidarisch sein müssen. – Zur Eindämmung der Klimakrise benötigen die Jungen mehr Solidarität von den Älteren, die die allerschlimmsten Folgen unseres heutigen Handelns möglicherweise gar nicht mehr erleben werden.


Viele der Lösungen, die zur Eindämmung der Corona-Krise erwogen werden, könnten auch gegen die Umweltkrise helfen. So werden Reisen und energieintensive Veranstaltungen abgesagt; Home-Office-Lösungen möglichgemacht, was Flächen und Anfahrtswege spart; usw. Es wird beherzt vorgegangen, um die Bevölkerung vor den schlimmsten Folgen, nämlich einem Kollaps des Gesundheitssystems, zu schützen. Gleiches braucht man auch, um die Bevölkerung vor einem Kollaps der Ökosysteme zu schützen.


Politisch geht gerade augenscheinlich die Gesundheit vor. Die Ökonomie steht hinten an. Aber es wird an Lösungen gearbeitet, die beides wieder in einen Einklang bringen sollen. Auch die Umweltkrisen gefährden langfristig unsere Gesundheit. Das Klima verändert Krankheiten, Pestizide vergiften uns, an der schlechten Luft sterben täglich Menschen und Plastik ist längst in jedermanns Blut nachweisbar. Somit ist es politisch genauso notwendig, Ökonomie und Ökologie wieder in Einklang zu bringen.


Corona hat eine Inkubationszeit von ca. 2 Wochen. Das heißt, dass Menschen schon längst das Virus haben könnten, aber es noch nicht merken. Wenn in 2 Wochen dann aber die Krankheit bei viel mehr Menschen ausbricht, als man vorher wusste, könnte das schon das Gesundheitssystem überfordern. Auch beim Klima können wir nur historische Daten überprüfen. Die globale Durschnittstemperatur wird über die letzten 30 Jahre gemittelt. Das heißt, dass unsere Erkenntnisse über das Klima immer hinterherhinken. Wir könnten also hier schon längst in irreversiblen Worst-Case-Szenarien drinstecken und merken es noch gar nicht.


Sowohl mit dem Corona-Virus, als auch mit der Natur, lässt sich nicht verhandeln. Wir können weder sagen: „Bitte, liebes Virus, verschone mich, verschone uns, verschone unsere Stadt oder verschone unser Land.“, noch wird die Natur auf uns hören, wenn wir ihr gut zureden. Wenn wir von Kompromissen sprechen, zum Beispiel beim Kohleausstieg, dann sind diese zwischen Menschen getroffen worden. Säße die Natur mit am Verhandlungstisch, so würde die nur grinsen und vielleicht sagen: „Macht ihr Menschen ruhig so langsam Schluss mit Euren Treibhausgasen, wie ihr wollt. Ihr werdet schon sehen, was für Folgen das für Euch haben wird. Ich sitze am längeren Hebel, denn ich bin die Natur. Ihr habt Euch zwar von mir entfremdet, aber abhängig seid ihr trotzdem von mir.“


Corona und menschengemachter Klimawandel lassen sich nicht leugnen. Zumindest nicht, wenn man auf seriöse, wissenschaftliche Fakten wert legt. Sogar die Kirchen tun das. Sie sperren jetzt sonntags die Gotteshäuser zu, die Gottesdienste fallen aus. Und den Klimawandel leugnen die Kirchen ebenfalls nicht. Papst Franziskus hat im Jahre 2015 die Enzyklika „Laudato si‘“ veröffentlicht, in der er die Menschheit auffordert, wieder mehr im Einklang mit der Natur zu leben und anzuerkennen, dass wir unser gemeinsames Haus, – die Erde, die Schöpfung – zerstören, wenn wir nicht umdenken und umkehren.


So wie wir gerade nur zuschauen können, wie sich das Corona-Virus verbreitet und laut Experteneinschätzung ca. 70% der Bevölkerung erkranken müssen, ehe sich jene Verbreitung verlangsamt, werden auch wir beim Klimawandel nur noch zusehen können, wie sich unsere Umwelt radikal verändert und sich unser Lebensraum verkleinert und sich unsere Lebensbedingungen zunehmend verschlechtern. – Außer natürlich, man trifft rechtzeitig wirksame Maßnahmen, damit das Desaster nicht allzu groß wird.


Am Anfang haben viele Menschen die Ausbreitung und die Gefahr des Corona-Virus furchtbar unterschätzt und sogar darüber gewitzelt. Ich gehöre auch dazu. Heute bin ich davon überzeugt, dass wir alle vorsichtig und umsichtig sein sollten und wirklich zum Schutz der gefährdeten Menschen handeln bzw. unser Handeln einschränken sollten.

Auch bei der Klima- oder Umweltkrise haben viele Menschen geglaubt oder glauben es immer noch, es sei nur ein Hype, ein Gespinst, übertrieben, alles nicht so schlimm oder gar nicht wahr. Und ich habe es selbst bei mir gesehen und erlebe es regelmäßig in meinem persönlichen Umfeld: je mehr Menschen sich mit der Thematik befassen, bereit sind zu lernen und den Tatsachen ins Gesicht sehen, desto ernster nehmen sie die Lage und sind auch bereit, Einschränken hinzunehmen oder ihre politische, berufliche oder persönliche Stellung grundsätzlich zu verändern. Die Konfrontation mit der Sache öffnet Augen und schafft Bereitschaft, die Ärmel hochzukrempeln und die Sache offen anzugehen.


Im Falle von Corona wissen wir erst, wenn des Virus sich nicht mehr so schnell ausbreitet, ob die Maßnahmen von Seiten der Bevölkerung und der Poltik effektiv genug waren, um eine Überforderung des Gesundheitssystems vorzubeugen. Beim Klima wissen wir auch nicht, ob wir es schaffen werden, einen ökologischen Kollaps zu vermeiden.


Wenn wir die Corona-Krise glimpflich überstehen sollten, werden hinterher Menschen sagen: „Seht! Die Aufregung war ganz umsonst.” Denn wenn ein Problem vermieden werden kann, wird man hinterher auch nicht genau sagen können, ob das Problem wegen der Lösungsansätze vermieden wurde oder sowieso nicht so schlimm war, wie vorher angenommen. Gleiches würde auch beim Klimaschutz passieren. Schaffen wir effektiven Umweltschutz, sodass die Ökosysteme nicht kollabieren werden und wir als Menschheit überleben, dann werden auch die Leugner wieder auf der Bildfläche erscheinen und behaupten, es hätte niemals ein Problem gegeben.


Sowohl die Ausbreitung des Corona-Virus als auch globale Erwärmung verlaufen nicht linear. Im Falle vom Klima wird die Kurve immer steiler, wenn bestimmte Kipppunkte überschritten worden sind.


Die Corona-Krise und die Klimakatastrophe haben beide globale Auswirkungen. Jedoch sind diese in unterschiedlichen Regionen, heute schon, unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Falle von Corona reicht ein Blick zum Beispiel nach Italien. Im Hinblick auf die Klimakatastrophe sieht man ein abtauendes Grönland, verschwindende Gletzscher, aussterbende Tierarten, überflutete Städte und dürregeplagte oder verseuchte Gegenden.


Bei der Corona-Krise wird allen so nach und nach klar, dass jeder Tag, der früher mit den Maßnahmen begonnen wird, dabei hilft die expontentielle Ausbreitung des Virus einzuschränken. Wenn die Inkubationszeit ca. 2 Wochen andauert, bringen Maßnahmen die heute getroffen werden, also erst in 2 Wochen etwas und dann kann es womöglich schon zu spät sein, um die Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems nicht zu überschreiten. Im Fall der Klimakrise gilt es genauso. Je früher mit den Maßnahmen begonnen wird, desto wahrscheinlicher wird es, die allerschlimmsten Probleme zu vermeiden. Beim Klima kommt noch hinzu, dass durch das Herauszögern effektiver Maßnahmen, wir am Ende noch viel abrupter mit den Treibhausgasemissionen aufhören müssen, um uns alle zu schützen.


In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere westliche Gesellschaft an ein „ruhiges Fahrwasser“ gewöhnt. Man kann auch sagen, dass wir uns an unseren Wohlstand gewöhnt haben. Krisen waren eigentlich nie wirklich schlimm. Der Alltag der meisten Leute blieb, wenn man von einer Krise sprach, weitgehend unberührt und wir konnten unseren Status Quo einfach aufrechterhalten. Wir wissen, dass die Klimakrise dieses Muster durchbrechen wird, da die Notwendigkeiten zur Anpassung und Probleme irgendwann im Alltag aller ankommen wird. Und wir wissen auch, dass sich zur Vermeidung des Klimakatastrophenfalls alle ein Stück verändern und anpassen müssen. Die Veränderung des Alltags aller, als Reaktion auf ein Riesenproblem, beobachten wir jetzt auch, durch die Maßnahmen gegen Corona.


Es kann wieder gefragt werden: „Wohlstand oder Wirtschaft?“


Wie ist es den Regierungen gelungen, so schnell die Menschen zu drastischen Maßnahmen zu ihrem Selbstschutz zu bewegen, auch wenn der Erreger unsichtbar und die Krankheit nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betroffen hat? – Wäre das mittels einer Anreizstruktur gegangen? Wie hätte man Eltern davon überzeugen können, freiwillig ihre Kinder besser nicht in die Kitas, Kindergärten und Schulen zu schicken? Wie hätte man Kinder überreden können, Spielplätze zu meiden? Und wie hätte man Restaurantbesitzer dazu anregen können, freiwillig zu schließen? Wie überzeugt man Fluggesellschaften mit Anreizen, ihren Flugbetrieb einzustellen? – Ich glaube, wenn die Zeit drängt, geht es nicht ohne Verbote und Richtlinien.

Die Klimakrise wird noch zu stark unterschätzt, sodass die Politikerinnen und Politiker, Bürgerinnen und Bürger, ihre Zeit damit verschwenden, zu diskutieren, ob man etwas verbieten darf oder nicht. Doch diese Zeit ist sehr wertvoll, wenn man effektiv und ohne große Einschnitte eine Verbesserung der Lage herbeiführen möchte. Denn genau wie die Kurve mit der Anzahl der Infizierten nicht Linear verläuft, wird es sich wahrscheinlich mit der globalen Durchschnittstemperatur auf der Erde verhalten, wenn wir nicht schnell handeln. Will man es wirklich über Anreize regeln, so müssen diese sehr sehr stark sein. Mit einem CO2-Preis von 25€ oder geringfügigen Steuererleichterungen für die Bahn, lässt sich wenig ausrichten und schon gar nicht eine Krise aufhalten.


Ich höre von vielen Seiten immer wieder das Argument: „Als Land kann man nicht einfach mit Klimaschutzmaßnahmen vorgehen, weil das nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen.“ Dieses Argument ist schlüssig und plausibel. Beim Beispiel von Corona zeigt sich jedoch, wie Staaten voneinander abgucken und lernen. Maßnahmen, die in einem Land verordnet werden, werden nahezu gleich in anderen Staaten umgesetzt. Kann man daraus nicht auch etwas für die Lösung der Klimakrise lernen? Also als Staat mit gutem Beispiel vorangehen?


Die selben Politikerinnen und Politiker, die jetzt auf die Wissenschaft hören und im Krisenmodus alles Erdenkliche tun, um die Corona-Krise zu bewältigen, hören bei der Klimakrise nicht auf die Wissenschaft und versuchen diese Krise kleinzureden oder auf andere zu zeigen.


Aufgrund der drastischen Auswirkungen, die die Verbeitung des SARS-CoV2 auf unser Leben hat, spricht man schon jetzt davon, dass nach der Pandemie das Leben ein Anderes sein wird. Es wird auch ein anderes Leben für alle sein, wenn wir die 1,5°C-Grenze überschritten haben, wovor Wissenschaftler eindringlich mahnen. Ich befürchte, dass dies noch viel stärkere Auswirkungen auf unser Leben haben wird.