Studie bestätigt, dass es (fast) kein „Bio“ mehr gibt

Wer kennt das nicht? Man bekommt eine Nachricht, die einen überhaupt nicht überrascht. Aber dennoch bestützt sie einen und man ist entsetzt.

Genauso geht es mir gerade, wo ich lese, dass es auf der Erde wohl nahezu keine Orte mehr ohne Pestizidbelasting gibt. Zumindest kommt eine groß angelegte Studie in Deutschland zu diesem Schluss. Mehr dazu hier bei der Tagesschau.

Pestizide sind meist Planzenschutzmittel, Gifte, welche zum Schutze bestimmter „Nutzpflanzen“ in die Umwelt gebracht werden. In der Theorie sollten sie nur dann benutzt werden, wenn sie wirklich notwendig sind, in einer geringen Dosierung und so, dass sie sich nicht weiter verbreiten.

Aber selbst dann sollte doch der normale Menschenverstand erkennen, dass ein Gift, das man irgendwo hin sprizt, nicht anschließend einfach so verschwinden wird, oder? Wie ich im Beitrag Verbrennen, und weg ist es! geschrieben hatte, kann man doch nicht davon ausgehen, dass etwas einfach so verschwindet…

Auch aus der Medizin weiß man, dass nahezu jedes Medikament immer auch Nebenwirkungen hat, wenn es eine Wirkung hat. Weil man nicht so genau eingrenzen kann, wo und wie ein Wirkstoff wirken soll und es immer wieder unvorhersehbare Wechselwirkungen gibt.

Die Konsequenzen sind ja wohl klar: Wenn es keinen Ort gibt ohne Pestizide gibt (und das bestätigt die Studie), dann haben wir es alle in unseren Körpern. Es ist auf den Pflanzen, in den Tieren, in unserer Nahrung, auf unser Haut, in unserem Blut, in unseren Gehirnen, in unseren Kindern, überall! Und niemand kann sich dagegen wehren.

Wen überrascht es noch, wenn in einer solchen Welt ein Massenaussterben stattfindet?


Ich habe mal von Biobauern gehört, die ihre Pflanzen unter Planen wachsen lassen, weil die Nachbarn spritzen. Eigentlich müsste das jeder Bauer tun, der noch versucht, natürliche Lebensmittel zu produzieren. Und wir, die kein Interesse an einer Verseuchung haben, müssten auch unter diese Planen ziehen. – Keinen Sternenhimmel mehr, kein Sonnenlicht, keine Wolken, kein Regen, keine frische Luft – dafür aber auch keine Gifte in der Atemluft.

Irgendwas läuft doch hier verkehrt, oder? Müssten die Bauern und Industrieunternehmen, welche ihre Profite steigern müssen oder wollen, nicht unter solchen Planen ihre Experimente mit der Umwelt machen und den Rest frei davon halten?

Und nun?

Aber was soll daraus folgen? Was können wir jetzt tun? Wie kriegen wir die Erde wieder sauber? Und wollen das eigentlich die Menschen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Mehrheit der Menschen Interesse daran hat, dass wir überall Rückstände von Giften auffinden. Aber zumindest bei uns wird so etwas mehrheitlich unterstützt durch unsere Konsumentscheidungen. Denn wann immer ich etwas kaufe, das nicht „Bio“ und nicht die Produzenten in der gesamten Lieferkette genau kenne, kann ich davon ausgehen, dass Pestizide eingesetzt worden sind. Dadurch fördere ich genau das.

Auf der anderen Seite steht die Politik. Sie stellt die Regeln auf, nach denen wir uns alle zu verhalten haben. Dazu gehört eben auch die Lebensmittelindustrie. Wenn wir als Bevölkerung nicht die richtigen Signale setzen, wird sich auch auf der politischen Ebene wenig tun. Auch mit einem Vertrauen auf die Politik ist es vonnöten, dass wir als private Konsumenten auf „Bio“ umsteigen. Und bei den Wahlen den Politikern den Vorrag, geben, denen die Gesundheit ihres Landes wirklich am Herzen liegt.

Dieses „Bio“ ist aber leider nicht mehr das, was es mal sein sollte. – Immer frei von Pestiziden. Das gibt es nämlich nicht mehr oder nur unter Planen.

In Südtirol läuft gerade ein spannender Gerichtsprozess zum Thema Pestizide: Angeklagt sind Menschen des Umweltinstitut München, ein Autor un ein Verlag, wegen „übler Nachrede“. Wann immer die Industrie Gegenwind bekommt, werden alle Mittel aufgefahren. Mit dem Geld, welches sie von den Konsumenten erhalten haben. Mehr dazu an vielen Stellen im Netz. Hier bei der TAZ gibt es einen ersten Überblick über diesen konkreten Fall und hier auf der Themenseite beim Oekom-Verlag.

Es wird Zeit, dass dem ein Ende gesetzt wird und wir bereit sind, das krude System so zu verändern. Denn wie beim CO2 gibt es (noch) keinen Staubsauger, der unseren Müll einfach so aus der Luft und von den Dingen wegsaugen und verschwinden lassen kann.

Alles, was in der Welt ist, bleibt erstmal dort. Und je länger wir so weitermachen wie bisher, desto schlimmer wird es werden.

Man kann auch sagen, es ist irreversibel. Oder ein Boomerang.


Wieso ich „Bio“ immer in Anführungszeichen schreibe? – Weil für mich das „Bio“ das Normale, also das Konventionelle ist. Aber dieser Begriff wurde leider von der industriellen Agrarwirtschaft gekapert.

Und deshalb muss „Bio“ immer gekennzeichnet und extra benannt werden und nicht das, was potentiell gefährlich für Mensch und Natur ist und auf teils sehr unnatürlichem Wege zustande kommt.