Klimaschutz oder Wohlstand? – Was für eine absurde Frage

Immer wieder höre ich, dass es in der „Politik“ und auch sonst wo die große Herausforderung gibt, Klimaschutz und Wohlstand zu vereinen. Diese Herausforderung stammt scheinbar aus der Annahme, dass Klimaschutz und Wohlstand im Widerspruch zueinander stehen.

Ich möchte gerne ein kurzes Gedankenexperiment machen:

Wenn jemand etwas investiert, dann besitzt er ab diesem Moment weniger Geld bzw. liquide Mittel. Das Geld ist weg, dafür hat er einen Unternehmensanteil, eine Anlage oder was auch immer. Eine Investition ist es deshalb, weil es sich erst später auszahlt.

Aber niemand würde auf die Idee kommen, dass Investitionen im Widerspruch zu Wohlstand stehen, oder? Obwohl einem Investor durch das Investieren kurz-, mittel- oder langfristig Mittel fehlen, richtig?

Abhängig von der Art seiner Anlage wird sich die Investition – zumindest ist das die Hoffnung des Investors – auszahlen.

Auf der anderen Seite erleidet jemand, der sein Geld oder seine Mittel nicht sinnvoll anlegt, einen Nachteil. Denn die Inflation verringert den Wert seines Geldes, das Geld könnte in seinem Wert von der Zentralbank heruntergesetzt werden und Geld ist ja nicht essbar. Wer nichts in sein eigenes Leben investiert, wird verhungern.

Wird Wohlstand damit assoziiert? Also, wenn die Investitionen ausbleiben? – Wohl kaum.

Klimaschutz

Gleiches gilt für den Klimaschutz. Wenn wir heute das Klima schützen wollen (Investition), so kostet uns das etwas. Wir, als Gesellschaft, werden Geld ausgeben müssen. Werden hier und da Einschränkungen hinnehmen müssen. Wir müssen auf Alternativen warten, die teilweise teurer sind als das, was schon da ist. Und solange es keine Alternative gibt, verzichten.

Die Liste der Maßnahmen, die jetzt nötig sind, ist lang. Und das Thema geht uns alle an. Klimaschutz betrifft „den kleinen Mann“ und „die kleine Frau“ genauso, wie die großen Unternehmen. Und ja, manche von ihnen verlieren ihre Daseinsberechtigung, weil sie mehr schaden als nützen. Die Art, wie wir Wirtschaft betreiben, müssen wir verändern. Der hohe „Standard“, der nur funktioniert, weil er auf die Übernutzung der Erde basiert, muss anders gestaltet werden.

All das ist schwer und anstrengend und machen wir zum ersten Mal und wird uns was kosten… Wie bei einer „normalen“ Investition, wissen wir jetzt noch nicht genau, was hinten bei rauskommt.

Aber nicht zu investieren, wäre… fatal.

Auf der anderen Seite steht die Natur. Die lässt bekanntlich nicht mit sich verhandeln und wird auf unser (Nicht-)Handeln reagieren. Wenn wir nicht in den Schutz des Klimas und der Umwelt investieren, dann wird sich die Natur sehr stark verändern. Und das nicht zu unseren Gunsten. Das wissen wir! Um dann weiterleben zu können und um unseren „Wohlstand“ weiter aufrechtzuerhalten, sind sehr viel teurere Maßnahmen notwendig. Teurer als die Investitionen, die für den Schutz des Klimas notwendig sind.

Versäumen wir die Investition, werden wir also definitiv Nachteile haben, die unseren Wohlstand unmöglich machen. Und mit Wohlstand meine ich nicht, dass wir in einer „wirtschaftlich erfolgreichen Umgebung“ leben. Wohlstand heißt, dass wir nicht Angst um unser Leben haben müssen, weil uns Nahrung, fließendes Wasser und friedliebende Nachbarn in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Vom Kontostand spreche ich nicht, wenn ich hier Wohlstandssicherung meine.

Wer noch immer meint, dass Wohlstand und Klimaschutz im Widerspruch stehen, dem möchte ich zum Schluss noch eines sagen:

Ich selbst komme aus einem konservativen Milieu. Mir wurde was vom Wert des Geldes erzählt. Führerschein und ein Auto für jeden – das war mal für mich normal. Konsum in der Shopping-Mall fand ich einst eine tolle Freizeitbeschäftigung. Und so viel mehr. Für mich war das lange Normal. Und sicherlich habe ich noch so manche konsumistische Ader.

Aber auf meinem Weg hin zu einem klimafreundlichen Leben, habe ich aber gemerkt, dass es da viele Menschen gibt, mit denen man sich zusammentun kann, um für das größte gemeinsame Interesse zu arbeiten. Wir schließen uns zusammen, bilden Gemeinschaften und Bündnisse und haben Spaß miteinander. Denn unsere Gemeinsamkeit basiert auf Respekt voreinander, weil uns allen unsere Leben wichtig sind. Wir wollen nichts kaputt machen. Wir wollen, dass wir als Menschheit, als Gesellschaft gedeihlich sind.

Auf meinem Weg habe gemerkt, dass mein Glückslevel nicht von der täglichen Portion Fleisch abhängt. Auch nicht von den neuesten Geräten oder dem scheinbar bequemsten Verkehrsmittel, ganz egal mit welchem Antrieb. Ich stellte fest, dass Urlaube in der Nähe echte, nützliche und neue Perspektiven eröffnen. Und das mehr, als die 2- bis 3-wöchigen Trips in die Ferne. Ich bekam ein Gefühl dafür, dass weniger Besitz eine Entlastung ist und es schön für alle Beteiligten ist, etwas abzugeben und zu verschenken. An andere, die es besser gebrauchen können. Sogar die alltäglichen Herausforderungen machen richtig Spaß, wenn wir sie spielerisch angehen.

Ich möchte die Frage aus der Überschrift echt vergessen und eine neue Formel aufstellen, welche die Realität viel besser beschreibt:

Wohlstand braucht Klimaschutz.

Kommst Du mit auf unsere Reise, in eine zukunftsfähige Gegenwart? Eine Gegenwart, die Leben befürwortet und nicht totes Zeugs?