Klimaschutz ist Menschenschutz

Ich bin wirklich genervt von vielen ziemlich dummen Äußerungen zum Thema Klimaschutz. Und die kommen nicht nur von den Leuten, welche das Thema aus meiner Sicht noch nicht so richtig ernst nehmen. Nein, auch von den Leuten, welche sich für den Klimaschutz stark machen, aber meiner Meinung nach falsch argumentieren.

Es gibt diesen alten bekannten Witz:

Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Du siehst aber gar nicht gesund aus, was ist los?“ Da antwortet der andere: „Ich habe Menschen.“ Darauf wieder der Erste: „Das geht vorüber.“

Ich finde, dieser Witz bringt es voll auf den Punkt. Denn der Erde ist es ziemlich egal, was wir auf ihr treiben. In der Erdgeschichte sind schon so viele Dinge passiert: von ihrer Entstehung, der Entwicklung des Lebens, Meteoriteneinschlägen, Erdbeben, Auseinanderdriften der Kontinente, Vulkanausbrüche, Entstehung der Atmosphäre bis zu vergangenen Klimaveränderungen. Jetzt sind wir Menschen schon seit einer Weile da und verändern so manches. Aber die Erde wird uns wahrscheinlich überdauern.

Darum sind Argumentationen, dass die Erde ein Problem hat, meiner Meinung nach am Ziel vorbei gegangen. Und sie sind auch für die meisten gar nicht griffig oder ernst genug. Ich meine, wenn ein Mensch das hört, der mit „Erde“ kaum in Berührung kommt, weil er in einer total versiegelten Stadt lebt, seine Wege per Auto zurücklegt und in Supermärkten verarbeitete Lebensmittel einkauft, dann ist ihm dieses „Erdenproblem“ bestimmt nicht relevant genug. Wieso sollte dieser Mensch das alles nicht mehr so tun, wie er es tut, wenn er dadurch der Erde einen Gefallen täte?

Auch mit Eisbären und seinem Schicksal, als in freier Wildbahn sicher aussterbende Art zu argumentieren, zieht nicht. Freilich ist es wirklich schade. Nein, es ist sogar sehr schlimm, dass wir durch unser Handeln Tierarten qualvoll ausrotten. Aber zum Beispiel das Mammut gibt es auch schon lange nicht mehr. Und uns und der Erde geht es doch trotzdem noch gut, oder nicht?

Ganz im Gegenteil: Die Menschheit erreichte ihre Blüte doch erst, nachdem es keine Mammuts mehr gab! Also warum soll ich anderen was vom Eisbären erzählen, der mehrere tausend Kilometer weit von ihnen weg wohnt und sie ausgerechnet damit zum Umdenken anregen? Wer von Eisbären spricht, kompensiert vielleicht nur seine eigene Sorge um diese Spezies, findet damit aber leider kaum Anklang.

Selbst das Bienensterben, das ja offensichtlich massive Auswirkungen auch auf uns hat, berührt viele Menschen nicht. Bienen sind kleine, ganz andere Geschöpfe, über die wir glauben Macht zu haben. Viele kommen nicht auf die Idee, dass Bienen für uns wichtig sind. Geschweige denn, diese Tatsache ist dazu in der Lage, viele Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen.

Bevor wir zu der, aus meiner Sicht, besseren Argumentation kommen, noch ein Hinweis: Mir ist klar, dass Argumente selten ausreichen, um Menschen zu bewegen. Es müssen schon Emotionen sein. Aber Wissenschaft bietet leider keine Emotionen, sondern Fakten. Dennoch – und vielleicht gerade deshalb – finde ich es viel wichtiger, sich auf das für uns Ausschlaggebende an der Krise zu fokussieren, nämlich: dass die ganze Umweltkrise uns Menschen gefährdet.

Umwelt ist das, was um uns herum ist. Für mich ist das zum Beispiel die Luft, die mich umgibt, die ich atme. Und die Wohnung aus der ich das hier gerade schreibe, die Welt aus der meine Nahrung und mein Wasser stammen und wo es viele andere Menschen und Tiere gibt, die ich zum Leben brauche oder die ich schön oder unschuldig finde.

Verändere ich diese Umwelt so, dass sie nicht mehr mit mir kompatibel ist, wird diese veränderte Umwelt weiter existieren, aber ich werde dabei draufgehen. So einfach ist das.

Ich denke, genau das passiert gerade mit der Menschheit. Wir Menschen sind in der unglaublichen Lage, das Klima zu verändern. Und zwar nicht geringfügig, sondern in einem Ausmaß, welches es zumindest in den letzten Millionen Jahren noch nie gab. In einem Ausmaß, das die allermeisten heute existierenden Arten auf der Erde noch nie erlebt haben. Es ist, wenn man so will, ein Experiment, dessen Ausgang wir noch nicht vorhersehen können, aber dessen Folgen wahrscheinlich eher negativ für uns sind.

Ich frage mich oft, wieso ich das selbst erst so spät kapiert habe? Wieso ich selbst erst so spät aktiv geworden bin und etwas verändert habe? Und natürlich, warum so viele andere nichts oder nur wenig dagegen tun?

Ich glaube, es kommt daher, weil:

Ich selbst habe meine Einstellung zu dem Thema nach vielen Gesprächen mit tollen Menschen – die da schon weiter als ich waren – radikal verändert. Als ich anfing, meine eigenen Werte (Nächstenliebe, Freiheit, Verantwortung, Wertschätzung, Ehrlichkeit, Offenheit),
mit dem, was mir lieb und teuer ist (mein Leben, meine Familie, meine Freunde, mein Umfeld, gutes Essen, die Luft zum Atmen, sauberes Wasser, mein sicheres Leben, Kinder, Natur, Vielfalt, uvm…)
und dem verband, was ich vom Klimawandel erfahren hatte… von dem Moment an konnte ich nichts anderes als aktiv zu werden und mein Leben sukzessive zu verändern.

Seitdem habe ich mich immer tiefer mit dem Klimawandel und den anderen der aktuellen Umweltkrisen auseinandergesetzt und das bestätigt mich immer mehr, dass ich da auf dem richtigen Weg bin, meinen persönlichen Fußabdruck in einen Positiven umzukehren.

Hätte ich nach meinen Bewusstwerden über den Klimawandel, mein Leben nicht verändert, so müsste ich mir mit meinem Wissen heute selbst eingestehen, dass andere Menschen, ich selbst und die Umwelt mir egal sind. und ich jetzt bis zum Schluss nur „Party“ mache und für mich alles raushole, was noch zu haben ist. Und wahrscheinlich würde ich die Augen verschließen und insgeheim hoffen, dies sei alles nur ein Traum oder es geht irgendwie doch noch an uns allen vorüber, so wie ein gigantischer Meteorit, der die Erde knapp verfehlt.

Letzteres hoffe ich wirklich noch immer. Aber jede neue Hiobsbotschaft seitens der Forschung nimmt mir davon Stück für Stück etwas weg.

Lasst uns gemeinsam Menschen retten! Das kommt auch dann auch den Eisbären zu Gute. Und wenn Du bis hierher gelesen hast, und auch ein paar andere meiner Beiträge, mitmachen möchtest, aber noch nicht weißt wie, dann schreib mir einfach unter hallo@yohoe.de. Ich freue mich über jede Rückmeldung und helfe gerne jedem auf seinem Weg zu mehr Menschenschutz.