Was wir wegschmeißen, fehlt den Armen

Zu gut kann ich mich noch an diesen Satz erinnern:

„Wenn Du Deinen Teller nicht leer isst, verhungern woanders die Kinder!“

Ich glaube, wann immer ich keinen Hunger mehr hatte, aber noch etwas auf meinem Teller war, musste ich mir diesen Satz von meinen Eltern anhören. Aber ich gebe zu: verstanden habe ich ihn nie.

Was bitteschön hat das Verhungern von Kindern, woanders auf der Welt, mit meinem Teller in Deutschland zu tun? Ob ich jetzt etwas aufesse oder nicht, das ist doch den hungernden Kindern auf einem anderen Kontinent egal.

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich den Zusammenhang wirklich verstanden habe. Demgegenüber weiß ich heute, dass das, was ich wegschmeiße, den armen Menschen auf ihrem Teller fehlt. (Sofern sie überhaupt einen Teller besitzen.)

Grenzen unseres Planeten

Wir leben nämlich auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen und Kapazitäten. Das heißt, dass nicht alles in endloser Fülle vorhanden ist. Nichts anderes gilt auch, wenn uns überfüllte Supermarktregale etwas anders suggerieren!

Und wir haben auf unserem vollen Planeten ebenfalls eine Begrenzung der Kapazitäten. Denn der Müll, den unser Lebensstil produziert, der muss ja irgendwohin! Auch wenn die Müllabfuhr ihn abholt. Irgendwo muss er ja bleiben, unser Abfall.

Eine Form des Mülls sind zum Beispiel auch die Abgase, welche wir in die Atmosphäre entlassen. Die Auswirkungen (durch die Vergiftung der Luft oder den Klimawandel) müssen alle auf der Welt tragen.

Und jetzt kommen die Armen ins Spiel: Sie sind nämlich zu arm, um sich vor unserem Müll und seinen Folgen zu schützen. Und sie sind zu arm, um an ausreichende Ressourcen für ihr Leben zu kommen. Da beides auf dieser Erde begrenzt ist und nicht gleichmäßig verteilt wird, kaufen wir Reichen uns über dritte, meist große Firmen, zuerst das Recht, Ressourcen zu verbrauchen und Müll zu produzieren. Erst am Ende stehen die Armen und eben auch die hungernden Kinder mit ihren Bedürfnissen.

Die Folgen unserer Gesellschaft, anderswo

Internationale Unternehmen, welche uns mit Lebensmitteln versorgen, agieren insbesondere in den Ländern, wo die Menschen arm sind. Denn dort sind Land, Rohstoffe und Arbeitskräfte am billigsten zu haben. Und häufig fehlen diese Rohstoffe dann den armen Menschen, da die westlichen Großunternehmen, sich das „Recht“ dazu gekauft oder genommen haben.

So fehlen beispielsweise vielen Menschen der Zugang zu Wasser, da sich Grundwasserspiegel wegen zu hohem Wasserverbrauch absenken; mancherorts, weil Regierungen an Unternehmen die Rechte für den Zugang zu Quellen und Gewässern verkauft haben. Anderswo geht den handwerklichen Fischern der Fang aus, weil große Fischereiunternehmen das Meer mit Hightech und riesigen Netzen ausgefischt haben. Und in anderen Gegenden wiederum werden Ländereien armer Menschen geraubt, Gegenden unfruchtbar gemacht oder überlebenswichtige Wälder und Siedlungen vernichtet. Nur um für unsere Nahrungsmittelproduktion Platz zu machen.

Beispiel

Wenn ich also verschwenderisch mit meinen Lebensmitteln umgehe, weil ich mir das leisten kann, dann steigert das jedoch meinen persönlichen Verbrauch. Wenn ich zum Beispiel zwei Stücke Fleisch kaufe, aber nur eines esse, dann mussten zwei für mich produziert werden. Verpackt landeten diese zuvor im Supermarkt. Saat, Düngung, Wasser, Ernte, Flächenverbrauch und Transport der Futtermittel gingen über in meinen ökologischen Fußabdruck. Heizung und Licht in den Stallungen, Flächenverbrauch für Auslaufflächen und Fütterung der Tiere gingen ebenfalls auf mein negatives Umweltkonto; genauso wie der Abtransport von Gülle, Tiertransporte, Schlachtung, Zerlegung, Verpackung, Kühlung und Transport in die Supermärkte.

Damit ich einkaufen gehen konnte, musste also schon vieles vorher passieren. Und bei vielen der Prozessschritte wurden fossile Kraftstoffe, welche ebenfalls aufwendig aus der Erde geholt und raffiniert werden mussten, verbraucht und Abgase wie CO2 und Methan freigesetzt, was die Luft verschmutzt und die globale Erwärmung verstärkt.

All das schadet der Umwelt, teils massiv, und damit uns allen. Aber die Ärmsten leiden am meisten darunter. Kann ich meinen Verbrauch und den Schaden, der durch meinen Konsum entsteht minimieren, reduziere ich auch die Auswirkung auf alle und besonders auf die armen Menschen dieser Welt.

Ich habe Fleisch als Beispiel genommen, da es meist den größten ökologischen Fußabdruck hat. Aber auch der Anbau rein pflanzlicher Nahrung hinterlässt seine Spuren. Auch in diesem Zusammenhang sollten wir Verschwendung vermeiden, da diese sich, wenn auch in geringerem Maße, negativ auswirkt.

Wer seinen Teller also immer schön brav leer ist und nichts verschwendet, der lebt sparsamer und benötigt für sich nur ein kleineres Stückchen Erde, lässt weniger Schmutz zurück und sorgt damit für eine gerechtere Welt.

Brennende Regenwälder

Besonders im Hinblick auf die brennenden Regenwälder für die Futtermittelproduktion europäischer Tiere, sollten wir uns meines Erachtens alle ein bisschen zügeln, nichts mehr verschwenden und unseren Verbrauch kritisch hinterfragen. Denn neben der ökologischen Krise, die das auslöst, sind viele Menschen (und natürlich auch Tiere) betroffen, von denen wir noch nie etwas gehört haben.

Und während ich das so schreibe, wird mir klar, dass ich das gar nicht deutlich und stark genug ausdrücken kann. Denn „betroffen“ klingt nicht nach Raub, Mord, Leid, Schmerz, Not und Verzweiflung. Aber genau das passiert immer und immer wieder an vielen Orten in unserer Welt, nur damit wir kaufen und genießen und wegschmeißen können.

Containern

Wenn dann noch Supermärkte von ihrem sogenannten „Eigentumsrecht“ über ihren Müll (namentlich guten, jedoch „abgelaufenen“ Lebensmitteln) gebrauch machen, und „Containern“ zur Anzeige bringen, zeigt das doch noch mehr, in was für einem perversen System wir leben. Und eigentlich sollte man sich wundern, dass diese Unternehmen noch Kunden haben.