Sind Nachhaltigkeit und Sparsamkeit das Gleiche?

Neulich habe ich gehört, Nachhaltigkeit wäre nur ein neumodisches Wort für Sparsamkeit. Beides hat manchmal etwas miteinander zu tun. Aber die Begriffe gleichzusetzen, wäre nicht korrekt. Wer nachhaltig oder nachhaltiger Leben möchte, sollte schon genau wissen, was das ist, um auch das Richtige richtig zu machen.

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Holzwirtschaft. Erstmals lässt sich eine Erwähnung im Jahre 1713 nachweisen. Es ist somit schon ein altes Wort und wird nicht erst seit kurzem verwendet. Nachhaltigkeit bezieht sich in seiner ursprünglichen Verwendung auf das forstwirtschaftliche Prinzip, nicht mehr Holz in einem Wald zu fällen, als nachwachsen kann. Auf diese Weise bleibt die Größe des Waldes stabil und es lässt sich auf unbestimmte Zeit eine bestimmte Menge Holz ernten. Bevor dieses Prinzip in die Waldwirtschaft eingegangen ist, sind viele Wälder vernichtet worden, was im Mittelalter zu zahlreichen Krisen geführt hat. Deshalb gibt es in Deutschland auch keine Urwälder.

Das Prinzip lässt sich auch noch auf andere Ökosysteme übertragen

Jeder Mensch hat zum Beispiel eine bestimmte Menge an Kraft und Ausdauer, aber auch begrenzte gesundheitliche Kapazitäten zur Verfügung. Jetzt gibt es Menschen, die z.B. sehr viel ihrer Energie für einen Job aufwenden oder sich massivem Stress aussetzen. Häufig sagt man dann, dass sich dieser jemand verbraucht oder sich auszehrt. All das meint, dass dieser Mensch nicht nachhaltig handelt. Häufig endet so etwas mit einem vorzeitigen Herzinfarkt oder Schlaganfall, Scheidung, abgebrochenen Freundschaften, usw.

Dieser Mensch muss regelmäßig Pausen machen, vielleicht seinen Job wechseln und auf jeden Fall für Ausgleich sorgen, um die langfristigen Folgen, für sein Wohlbefinden, abzuwenden.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

In Bezug auf die Verschmutzung unserer Erde durch Treibhausgase, Müll, Chemikalien und Plastik oder das Umwidmen natürlicher Flächen in landwirtschaftliche oder versiegelte Flächen, bedeutet Nachhaltigkeit, dass wir das nur in dem Maße tun können, wie sich die Erde regenerieren kann.

Also, stoßen wir mehr Treibhausgase aus, als Pflanzen, Böden und Meere wieder binden können, dann erwärmt sich die Atmosphäre. Stellen wir mehr Plastik her, als wir verarbeiten können, landet es früher oder später in der Umwelt und richtet dort Schäden an. Je mehr wir das aber tun, desto länger sind die Regenerationsphasen, oder wir riskieren das Kollabieren von Ökosystemen, mit nicht vorhersagbaren Folgen.

Nachhaltigkeit hat also in gewisser Weise etwas mit Sparsamkeit zu tun. Wer sparsam lebt, tut weniger davon, was dem Klima schadet. Wer auf eine Flugreise verzichtet, verursacht weniger Flugverkehr und somit weniger Treibhausgaseimmissionen. Das wiederum reduziert die Belastung unserer Atmosphäre.

Gleiches gilt für Sparsamkeit in Bezug aufs Heizen, den Stromverbrauch, Verpackungsmüll, Autofahrten, Fleischkonsum, Wohnfläche, usw.

Sparsamkeit kann aber auch das Gegenteil bedeuten. Denn was tut jemand, der Geld gespart hat, anschließend mit diesem Geld (Rebound-Effekt)? Und was treibt die Bank mit dem Geld, während es auf einem Sparkonto liegt? Und wenn jemand nur das Billigste kauft, wenn er etwas braucht, dann ist das auch nicht besonders nachhaltig.

Somit sind Nachhaltigkeit und Sparsamkeit nicht synonym.