Verbanne Werbung aus Deinem Leben!

Werbung ist nicht dazu gemacht, damit Du wohlwissende Entscheidungen triffst. Effektiver Selbstschutz (insbesondere Umweltschutz), funktioniert nur, wenn Du kluge Entscheidungen triffst. Das ist der Grund, warum Werbung Dir im Wege steht, wenn Du als kluger Mensch gute Entscheidungen treffen möchtst.

Um Dir das Leben nicht unnötig schwer zu machen, vermeide also Werbung.

Emotionen

Ist Dir schonmal aufgefallen, dass Werbung in den seltensten Fällen mit Fakten daherkommt? Die stehen allenfalls kleingedruckt irgendwo, wenn der Gesetzgeber das vorgeschrieben hat, z.B. bei Telefontarifen oder Medikamenten. Bei Zigaretten sind die Fakten sogar schwarz eingerahmt, mit weißen Hintergrund, in fetter Schrift und ekelerregenden Bildern.

Werbungen berichten meist nur auf emotionale Weise.

Fakten: Fehlanzeige. Emotionen und Gefühle: zuhauf vorhanden! Qualität der beworbenen Produkte: vergänglich, umweltschädlich, ungesund, abhängig-machend, teuer.

Preise

Okay, ein Fakt wird dann doch oft verwendet: Preise! Die meisten Werbeprospekte, z.B. von Supermärkten, werben mit denen. Die sollen besonders niedrig sein (für den Konsumenten, aber lenken ab, von den wahren Fakten, wie Herkunft, Arbeitsbedingung, Inhaltsstoffe, etc.).

Für die meisten von uns sind Rabatte und Sonderangebote keine Unterstützung zu klügeren Entscheidungen, sondern zur Steigerung des Dopaminspiegels.

Die alles umfassende Geschichte

Was das alles noch miteinander zu tun hat? All die Werbungen erzählen uns eine gemeinsame Geschichte, die sich mit jedem Werbespot, jedem Sonderangebot, mit jedem Logo und jedem Plakat wiederholt: die Geschichte vom unglaublich befriedigenden Konsum. Das Märchen von einer Wirtschaft, die „angekurbelt“ werden muss, mit unsererem hart verdienten Geld. Die Geschichte, dass wir uns auch mal etwas „Gutes“ gönnen sollten. Die Story vom „attraktiven“ Kredit, der uns den Kauf erleichtern soll.

Und weil uns der Werbung tagtäglich aussetzen – manchmal bewusst, manchmal unbewusst – brennt sich diese Geschichte immer wieder in unsere Köpfe. Und wenn wir eine Geschichte nur oft genug hören, dann wird sie für uns wahr. Und die Folge davon ist, dass wir einfach mehr konsumieren. Wir glauben diese Geschichte, ob wir wollen oder nicht. Und wir können uns keine andere Geschichte vorstellen. Eine andere Welt ist für uns so fern, dass wir diese Geschichte hartnäckig verteidigen. Und wir nennen die anderen Träumer, Idealisten, Utopisten, Weltfremde oder Spinner.

Ich persönlich lehne mich mit meinem Verstand dagegen auf, aber tief in mir drin – in meinem Herzen – glaube ich diese Geschichte immer noch. Und ich gebe zu, diese Diskrepanz steht mir im Wege, das wirklich Richtige zu tun. Jede meiner Entscheidungen fällt mir schwerer, als es eigentlich sein müsste. Unter anderem, weil ich so viel Werbung ausgesetzt war. Mit anderen Worten bin ich selbst sowas wie ein trockener Werboholiker. Man braucht mir nur mal ein Logo zu zeigen und ich weiß, welcher Firma es gehört und was für Produkte von dieser angeboten werden.

Um einen klaren Verstand zu bewahren, reduziere ich Werbung in meinem Leben. Das funktioniert immerhin schon so gut, dass ich entsetzt bin, wenn ich mal einen laufenden Fernseher sehe. Was da so läuft und für viele Menschen zur Normalität und zum Alltag gehört, lässt mich nur staunen.

Fernsehen

Neulich sah ich Fußball in einem Wohnzimmer, wo der Fernseher lief. Eine beliebte Dauerwerbesendung:

Sowieso

Irreführung

Manche Unternehmen sind auch noch so dreist und versuchen, uns alle für richtig dumm zu verkaufen. Das letzte Mal begegnete mir so etwas auf einer Verpackung von Kaffeebohnen eines Herstellers, der mit Kaffeefiltern besonders berühmt wurde. Da stand: „Mindestens 30% zertifizierter Kaffee“ drauf.
Natürlich sah der Aufdruck aus wie ein Label. Aber was bitte ist zertifizierter Kaffee? Und warum nur 30%? – Würde ich in ein Flugzeug steigen, wo die Fluggesellschaft damit wirbt, die Piloten hätten irgendeine Ausbildung zu mindestens 30% abgeschlossen? – niemals!

Bei „Banalitäten“ wie Kaffee, wo es ja nur um Pestizide, Düngemittel, der Entlohnung von Kaffeebauern und ihrer Hilfskräfte, Luftverschmutzung, Transportwege, Bodenerosion, Monokultur, Artensterben, Klimawandel und politisch instabile, arme Länder geht, lassen wir uns von so einer Botschaft einfach täuschen bzw. ignorieren sie.

Ginge es um unser eigenes Leben, würde es jeden abschrecken. Keine Fluggesellschaft wäre kühn genug, so einen Nonsens auf sein Flugzeug zu drucken, wenn sie miese Piloten hätten.

Werbeentzug

All dieser Werbung können wir uns aber einfach entziehen. Die Zeitung müssen wir nicht lesen, einen Fernseher brauchen wir nicht zum Leben, für Supermärkte gibt es Alternativen, das Radio kann ausbleiben, den Briefkasten kann man mit „Keine Werbung“ beschriften, Newsletter kann man abbestellen und für den Browser kann man Ad-Blocker installieren, welche die Werbung einfach verstecken. Oder man verzichtet gleich auf das Internet oder auf Websites (mit Werbung). Und am vernünftigsten ist, bei den Medien, wenig davon zu gebrauchen und für gute Inhalte und Angbote bereit zu sein, Geld zu bezahlen.

Öffentlicher Raum

Aber trauriger macht mich die Werbung, der wir ausgesetzt werden, die wir uns nicht selbst „ins Haus holen“: In immer mehr U-Bahnen und Bussen werden wir flackernden Bildschirmen mit Werbung ausgesetzt. Bushaltestellen werden elektrifiziert, damit uns Bildschirme, die größer sind als die Fahrpläne, zum Konsum anregen. Busse werden sowieso mit Werbung bedruckt. Plakate schreien uns an, an fast jeder Ecke. „Außenwerbung trifft jeden“, steht da. Das ist himmelschreiend!

Der öffentliche Raum ist durchtränkt von der konsumglücklichen Gesellschaftsgeschichte. Wer sich bemüht, nachhaltiger zu leben, indem er mit den „Öffentlichen“ unterwegs ist, wird von Werbung wieder ausgebremst. Schade.

Das Einzige was einem da bleibt: Wegsehen und am Bahnhof z.B. einen Stammplatz finden, von wo man am wenigsten Werbung sieht. Werbung zu ignorieren und am öffentlichen Leben teilnehmen, das ist echt schwer.

Wir können uns aber in der Mitte von Europa glücklich schätzen, dass es noch nicht ganz so schlimm ist, wie z.B. in den USA.

Ein Trost

Es ist vielleicht hilfreich, zu wissen, dass die meisten Produkte, die beworben werden, sowieso nicht nachhaltig sind. Sie sind entweder per se schädlich für uns oder die Umwelt. Sie gehen kaputt, veralten oder halten nicht, was sie uns versprechen. Die Logik der Werbung ist, dass man dann sowieso wieder was Neues braucht und auf die gleiche Methode erneut reinfällt. So schließt sich der Kreis.

Also einfach auf das verzichten, was in Werbungen vorkommt. Oder wie ein Bierbrauer mir einmal bei einer Führung, in seiner handwerklich arbeitenden Brauerei, gesagt hat: „Das ist bloß Fernsehbier.“

Und so kann man es mit allem tun, was irgendwo in den Werbungen aufpoppt. Einfach den Spieß umdrehen. Nicht mehr das tun, was die Manipulierer in den Werbeetagen sich ausgedacht haben. Dann beneidet man vielleicht auch nicht mehr seinen Nachbarn in seinem riesigen, unpraktischen Stadtgeländewagen, sondern hat allenfalls noch ein Schmunzeln für ihn übrig.


Ich träume von einer Welt, in der man keine Werbung mehr braucht. In der Produkte nicht beworben werden müssen, sondern von Menschen empfohlen, getauscht, repariert oder vererbt werden. In der „angekurbelter“ Konsum nicht dazu da ist, das Glück oder ein sogenanntes „Bruttoinlandsprodukt“ zu steigern, sondern in der die Menschen zufrieden mit sich und ihrer Umwelt sind.

Und Verzicht auf Werbung führt, unter anderem, zu diesem Glück – ganz ohne Konsum. Denn nicht zuletzt ist eine der Botschaften der Werbetreibenden: Wir Menschen sind nicht genug und uns fehlt es an etwas. Wir bräuchten nur deren Produkte zu kaufen, um diesen Mangel auszugleichen.

Mitnichten!